
Der defekte Rasierapparat
Mein Opa war schon immer ein sehr eigenwilliger Mensch, den ich in meiner Jugend oftmals laut und polterig erlebt habe. Außerdem war er sehr fordernd, wenn es darum ging, seine Ziele zu verfolgen und durchzusetzen.
Ein großer Nachteil war, dass unsere Großeltern nur etwa drei Kilometer von uns entfernt wohnten.
Mein Opa neigte nämlich dazu, immer fleißig zum Telefonhörer zu greifen und meinen Vater um Hilfe zu bitten, der dann auch meistens sofort zur Stelle war.
So auch an diesem Sommertag im Jahre 1988.
Wieder einmal klingelte das Telefon und mein Opa wollte mit meinem Vater sprechen.
Anschließend berichtete mein Vater, dass der elektrische Rasierapparat meines Opa's nicht funktionieren würde. Die Frage, ob denn der Motor defekt sei, habe er verneint. Der Motor liefe anstandslos, bloß das blöde Gerät würde nicht rasieren. Der Bart sei immer noch da!
Etwas nervös reagierte mein Vater, als er hörte, dass mein Großvater bereits den Kundendienst angerufen hatte. Ein Mitarbeiter würde im Laufe des Tages vorbei kommen.
Nichts Gutes ahnend schwang sich mein Vater daraufhin auf sein Fahrrad, um nach dem defekten Rasierapparat zu schauen.
Als er in das Haus seiner Eltern kam, saß mein Großvater am Tisch und demonstrierte den Apparat.
Fleißig schob er den summenden Rasierer über seine Wangen, um dann zu seinem Sohn zu
sagen: “Siehste, der funktioniert nicht!“.
Mein Vater nahm daraufhin den Rasierapparat an sich und staunte nicht schlecht, denn
sein etwas seniler Vater hatte vergessen, die Plastik-Schutzkappe des Gerätes zu entfernen.
Daraufhin rief mein Vater schnell den Kundendienst an, um den vereinbarten Reparatur-Termin abzusagen.
Der Service-Mitarbieter hätte sich wahrscheinlich kringelig gelacht, wenn er meinen Opa mit seinem Rasierapparat gesehen hätte.
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