
Der diebische Hund
Dass man einem Hund besser nichts Essbares vor die Nase legt und dann den Raum verlässt, dürfte wohl allgemein bekannt sein.
Gestern Abend war es allerdings nicht möglich, unseren Staffordshire-Terrier „Herr Meyer“ auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen.
Doch fangen wir mal von vorne an....
Am Abend plagte uns ein wenig Hunger. Wie eine anständige Hausfrau hatte ich bereits in der Mittagszeit zwei Entrecote-Steaks aus der Tiefkühltruhe genommen, die ich beide meinem Mann André angedacht hatte, da ich selber kein Rindfleisch esse.
Kurz bevor ich das Steak in die Pfanne schmiss, hörte ich noch, wie André zu Herrn Meyer sagte:“ Geh in die Küche und guck mal, was die Sylvia da macht. Sie brät gleich ein leckeres Steak.“
Er hätte wohl dazu sagen sollen, dass das Steak nicht für den Hund gedacht war...
Das Fett in der Pfanne war gerade dabei, heiß zu werden und Herr Meyer hatte es sich auf dem Küchenfußboden bequem gemacht (so sah es jedenfalls aus).
Die fertig gewürzten Steaks hatte ich auf der Arbeitsplatte abgelegt. Ich ließ das Fleisch nur eine einzige Sekunde aus den Augen, um mir die Hände abzuspülen. Das Spülbecken ist wohlgemerkt direkt auf der gegenüberliegenden Seite des Herdes.
Als ich mich nach dem Fleisch umdrehte, traute ich meinen Augen nicht. Da fehlte ein Steak und unser Hund war eifrig dabei, das große Stück Fleisch schnell herunter zu würgen. Ich hörte nur noch einen etwas angestrengten Laut aus seiner Kehle.
Wahrscheinlich hatte er Angst, dass ich ihm das Steak wieder herausholen würde. Nachdem Herr Meyer geschluckt hatte, blicke ich in seine völlig unschuldigen Augen.
Auf meine Frage: „Wo ist das Steak?“, erntete ich lediglich einen fragenden Blick von ihm, seinen Kopf hielt er wohlgemerkt etwas geneigt, was Schlimmes vermuten ließ.
Da das Steak nicht wieder auftauchte und Herr Meyer etwas schuldbewusst wirkte, konnte ich mir bildlich vorstellen, wie er das Steak verschlungen hat. Geschmeckt hat es dem Dieb sicher nicht...
Wir haben auch nur kurz mit Herrn Meyer geschimpft, weil es ihm deutlich anzumerken war, dass er genau wusste, dass das, was er getan hatte, falsch war.
Etwas später am Abend, Herr Meyer hatte immer noch etwas reumütiges an sich, bestellten wir gezwungenermaßen eine Pizza. André war von dem Steak natürlich nicht satt geworden. Frecher Weise bildete sich unser Hund ein, dass er von der Pizza auch etwas abbekommen würde, doch da hat er die Rechnung leider ohne uns gemacht.
Naja, Strafe muss sein. Mal sehen, ob Herr Meyer es sich noch einmal wagt, selber zu bedienen. Ich hoffe, dass er aus der Lektion gelernt hat. Hunde sind nun einmal Diebe, die olle Töle hat es vor ein paar Monaten schon einmal geschafft, ein tiefgefrorenes Hähnchenschnitzel zu fressen. Das rohe Steak ist ihm sicher besser bekommen....
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