
Gran Canaria in alter Zeit
Wenn man eine Zeitmaschine hätte und mal eben ein paar hundert Jahre in der Zeit reisen könnte, hätte man sicher eine Menge zu entdecken.
Auch ich mache gerade eine solche Zeitreise. Im Moment bin ich gerade auf Gran Canaria in der Zeit, vor der spanischen Eroberung. Eigentlich lange vor 1341.
Leider muss ich auf die Zeitmaschine verzichten, meine Frau sagte, die hätten sie im Mercadona zur Zeit nicht....
Ich bat einen Bekannten, der eine Menge solcher Literatur hat, mir etwas über diese Zeit zuzuschicken.
Das Thema nahm mich sofort gefangen.
Mal sehen, vielleicht schreibe ich hier eine kleine Fortsetzungsgeschichte...
Beginnen wir damit, wie es etwa im Jahr 1300 auf der Insel ausah und wer hier lebte.
Die Ureinwohner der Kanaren sind die Guanchen.
Der Name ist von den Entdeckern der Insel überliefert. Allerdings nur in spanischer Lautschrift.
Er wurde etwa wie "Wandschen" ausgesprochen und wird es auch heute noch. Lediglich im Süden der Insel hat sich der Begriff Guanchen in deutscher Sprechweise etabliert. Allerdings nur bei den meisten Deutschen...
Ein Ausnahme stellte Tenneriffa dar.
Der Name der dort lebenden Menschen wurde in deutscher Schreibweise "Windschen" ausgesprochen.
Die Leute dort sprachen vermutlich auch eine völlig andere Sprache als die, welchen den übrigen Inseldialekten zugrundelag.
Aber zurück nach Gran Canaria.
Wer um 1300 die Insel betreten hätte, wäre von der üppigen Vegetation und Pflanzenwelt sehr überrascht gewesen.
Auf Gran Canaria gab es ausgedehnte Wälder mit Oliven- und Feigenbäumen, Dattelpalmen sowie verschiedene Obsthölzer.
In Höhen ab 500 m war praktisch die ganze Insel bewaldet.
In den Barrancos flossen Flüsse, die die Kraft gehabt hätten, Wasserräder anzutreiben.
Über den Wälder stand ein Nebel....
Dass diese Vegetation heute verschwunden und Gran Canaria in weiten Teilen zur Wüste geworden ist, ist menschengemacht.
Nach der Invasion der Spanier etablierte sich auf der Insel der Anbau von Zuckerrohr, welches exportiert wurde.
Um den Zuckerohrsaft auszukochen, wurde große Mengen Holz gebraucht. Auch der Hunger nach neuen Anbauflächen schien kein Ende zu nehmen.
So ging es weiter, bis die Insel innerhalb weniger Jahre praktisch abgeholzt war.
Mit dem Verschwinden der Bäume begann die Insel immer mehr zu verwüsten.
Doch 1300 war alles noch in Ordnung....
Zumindest die Guanchen auf Gran Canaria lebten in Städten und Dörfern sowie in in kunstvoll angelegten Höhlen und Höhlenpalästen.
Diese Höhlen waren zum Teil sehr groß und verzweigt und extrem gut durchdacht.
So gab es in den Höhlen Öffnungen, deren Platzierung so geschickt gewählt war, dass fast jeder Raum der Höhle über Tageslicht verfügte.
Es gab eine Gesellschaftsordnung, an deren Spitze ein König (zeitweilig auch mal zwei) stand. Diesem etwas unterstellt gab es so etwas wie einen ersten Minister.
Unterhalb dieser stand ein Rat aus gewählten Adligen.
Nur die mutigsten, edelmütigsten und tugendhaftesten Männer der Insel konnten in diesen Rat gewählt werden.
Auch einzelne Mitglieder dieses Rates konnten ein Veto bei einer Entscheidung des Königs einlegen und diesen daran hindern, seinen Willen durchzusetzen.
Auch unterhalb dieses Rates gab es Entscheidungsgremien.
Frauen spielten bei wichtigen Entscheidungen auch eine Rolle.
Es gab Prophetinnen, die bei großen Entscheidungen zu Rate gezogen wurden und die bei der Entscheidungsfindung eine wichtige Rolle spielten.
Es gab auch Frauen, die eine die an der Seite eines Mannes Königin waren.
Die Häuser waren aus bearbeiteten Steinen hergestellt, die ohne Mörtel aufeinander lagen.
Es gab aber auch Häuser, die lediglich aus rohen oder wenig bearbeiteten Lavasteinen ohne die Verwendung eines Mörtels errichtet wurden.
Diese waren mit einem so großem handwerklichem Geschick hergestellt, dass sich die Spanier immer wieder beeindruckt darüber geäußert haben.
Die Häuser lagen inder Regel etwas unterhalb der Erdlinie oder wurden in den Hang gebaut. Dies sorgte dafür, dass es im Sommer in diesen Häusern kühl und im Winter warm blieb.
Gedeckt waren die Häuser der Guanchen mit Holz, das so gut bearbeitet war, dass es sich nahtlos aneinander fügte.
Darüber lag, als Schutz vor dem Regen, eine Schicht Erde.
Manche Häuser lagen auch gänzlich unter der Erde.
Bemerkenswert ist die Findigkeit der alten Einwohner Gran Canarias, die sie immer wieder an den Tag legten.
Dass es auf der Insel keinerlei Metallvorkommen gab und Metall auch erst nach der Entdeckung im Jahre 1341 auf die Insel gelangte, musste man sich zum Beispiel bei den Werkzeugen etwas einfallen lassen.
Zum Sägen von Holz wurden spitze Steine zwischen zwei Hölzern eingeklemmt. Dieses Werkzeug wurde dann mit großem Geschick als Säge benutzt.
Es ist überliefert, dass die nur etwa mannsbreiten Eingangstüren der Häuser sogar über Schlösser verfügt haben sollen.
Die Gassen zwischen den Häusern sollen teilweise so eng gewesen sein, dass zwei Männer nicht aneinander vorbeigehen konnten.
Die damalige Bevölkerung betrug damals etwa 50.000.
Dies ist ein Mittelwert, der aus allen verfügbaren Quellen gebildet wurde. Es gab Berichte, die die Einwohnerzahl höher oder niedriger angeben.
Die Guanchen waren insgesamt sehr wehrfähig und trainiert. Schon von frühester Kindheit an wurde den Kinder die Verteidigung der Gemeinschaft auf spielerische Weise beigebracht.
Über die große Kraft und Gewandheit der Guanchen äußern sich mehrere Chronisten bewundernd.
Es wurde berichtet, dass die Einheimischen allein große Holzpfähle auf steilste Hänge hochschleppten und diese dort eingruben.
Die Spanier, die das sahen meinten dazu, dass ihnen der Teufel dabei geholfen haben muss. Sonst hätten sie sich Hals und Bein brechen müssen...
Ebenso ist überleifert, dass sich die Canarios auch in schwerem Gelände äußerst geschickt und schnell fortbewegen konnten.
Es gelang ihnen sogar, flüchtende Ziegen zu jagen und an den Hinterläufen zu packen.
Jeder, der die Steilhänge und teilweise schroffen Lavalandschaften auf Gran Canaria mal mit eigenen Augen gesehen hat, weiß, was dies für eine grandiose Leistung war.
Auch von der großen körperlichen Kraft der Guanchen wird immer wieder berichtet.
Sie waren nach einem jahrelangem Training in der Lage, Steine mit einer solchen Wucht zu werfen, dass spanische Schilde zerbrachen und auch der Arm des Trägers gebrochen wurde.
Holz-Speere, deren Spitzen zum Teil im Feuer gehärtet waren oder aus Ziegenhorn bestanden, wurde ohne Hilfsmittel so stark geworfen, dass sie durch die französischen Schilde und Kettenhemden töten konnten. Oft drangen die Waffen sogar durch Schild und Kettenhemd.
Vielleicht sollte ich mir das mit der Zeitmaschine doch noch mal überlegen. Ich meine nur für den Fall, dass Mercadona die nun doch plötzlich wieder hat...
In den nächsten Tagen mehr zu dem Thema
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