
Chaotische Nachbarn
Mittlerweile liegt mein letzter Beitrag schon mehr als zwei Monate zurück und ich finde, dass es an der Zeit für ein Lebenszeichen von uns ist. Zwischenzeitlich waren wir auch nicht faul! Nein, wir sind umgezogen. Eigentlich hat es uns in Cruce de Arinaga ganz gut gefallen, jedenfalls bis zum Spätsommer des letzten Jahres. Eher zufällig bekamen wir mit, dass unsere Nachbarn, die schräg unter uns wohnten, auszogen. Dass wir davon nichts mitbekamen, ist nichts Ungewöhnliches, da die Kanarios etwa alle drei Monate umziehen und außer einem Koffer Klamotten und einigen persönlichen Dingen nichts Großartiges mit sich herumschleppen.
Für die Wohnung fanden sich dann auch sofort neue Mieter, ein Ehepaar um die vierzig mit zwei Kindern. Die Kinder waren eher selten zu Hause und machten dementsprechend wenig Lärm. Ihre Mutter hingegen schien viel Freude daran zu haben, wenn sämtliche Nachbarn an ihrem Privatleben teilhaben konnten. Wir hatten jedoch wenig Spaß daran, ihr bei den lauthalsen Telefongesprächen bei weit geöffneter Wohnungstür (wohlgemerkt in einem 4-Familien-Haus), zuzuhören.
Die Dame schien ein Problem mit geschlossenen Räumen zu haben, denn immer wenn sie zu Hause war, ließ sie ihre Wohnungstür sperrangelweit offen, so dass alle Geräusche aus der Wohnung problemlos bei uns im Wohnzimmer zu hören waren. Selbst um 2 Uhr nachts konnte man in unserem Wohnzimmer die recht lauten Geräusche von unten hören. Als wir eines Tages in der Mittagszeit Besuch von einem Bekannten hatten und dieser bemerkte, dass es sich anhöre, als würden wir über einer Kneipe wohnen, hatten wir die Nase voll und beschwerten uns. Den Weg hätte man sich ebenso gut sparen können, genützt hat die Aktion nämlich nichts. Die Wohnungstür blieb auch in Zukunft offen.
Dummerweise legte sich besagte Dame eines Tages einen Labrador Welpen zu, der jedes Mal, wenn ich mit unseren angeleinten Hunden die Treppe herunterkam, aus der Wohnungstür geschossen kam. Jeder, der schon einmal mit zwei Hunden spazieren gegangen ist, kann sich denken, was für ein Chaos in dem engen Treppenhaus stattgefunden hat, wenn der Welpe neugierig zu uns hinaus kam.
Leider hatte unsere Nachbarin überhaupt keine Ahnung von der Hundehaltung und war mit dem Gassigehen scheinbar überfordert. Dass so ein junger Hund ziemlich oft und viel Pipi machen muss, wird wohl jeder Hundebesitzer bestätigen können. Der Welpe machte dann auch Pipi, nur leider nicht draußen, sondern mit Vorliebe im Treppenhaus. Und die nette Nachbarin hatte scheinbar ein Problem damit, einen Wischmopp zu benutzen, denn frische Pipiflecken wurden einfach mit Zeitungspapier abgedeckt. Eine richtig appetitliche Sache! Wie es schon nach kurzer Zeit in dem Treppenhaus aussah und wie es dort gerochen hat, brauche ich wohl mit keinem Wort zu erwähnen....
Zusätzlich zu dieser unnötigen Geräusch- und Geruchsbelästigung bekamen wir zu allem Unglück neue Nachbarn in die Wohnung direkt neben uns. Bis dahin wohnten dort immer alleinstehende Männer, mit denen es überhaupt keine Probleme gab.
Diesmal hatten es unsere Vermieter scheinbar auf uns abgesehen und bescherten uns eine Familie mit zwei kleinen Kindern. Im Prinzip wäre das wohl kaum problematisch gewesen, doch die Bauweise des kanarischen Hauses war keineswegs darauf ausgelegt. Obendrein waren die Kinder äußerst lebhaft und schienen einer erfolgreichen Marathon-Karriere entgegen zu sehen. So hörte es sich jedenfalls an.
Lange Rede, kurzer Sinn- Wir fühlten uns in unserer Wohnung überhaupt nicht mehr wohl. Selbst nachdem wir mehrmals bei unserem Vermieter Bescheid gesagt hatten und ihm berichteten, dass die Geräuschkulisse nicht mehr zu ertragen sei, zumal wir den ganzen Tag in der Wohnung arbeiten und wohnen müssten, änderte sich nichts.
Kurz nach Weihnachten kam uns dann die Idee, uns nach einer anderen Wohnung umzusehen. Ich durchforstete das Internet in Playa Arinaga, Cruce de Arinaga, Vecindario, Ingenio und Agüimes. In letzterem Ort fand sich dann ein Haus, das so schön war, dass wir es kaum fassen konnten. Ein Haus mit zwei Etagen, einer Dachterrasse, drei Schlafzimmern und Steinwänden im altkanarischen Stil, einfach der Hammer! Das Wohnzimmer und zwei Schlafzimmer hatten etwas höhlenartiges an sich. Nachdem wir eine Bekannte baten, den Vermieter einmal für uns anzurufen, hatten wir gleich für den folgenden Tag einen Termin zur Besichtigung.
Kaum zu glauben, aber wahr: Wir haben die Wohnung bekommen, zwei Tage später hatten wir den Mietvertrag in der Tasche und am 08. Februar 2010 zogen wir um. Auch heute, zwei Monate später können wir es kaum glauben, in so einem schönen Haus wohnen zu dürfen. Und das Beste ist, dass, obwohl die Wohnung doppelt so groß ist, die Miete genauso hoch ist wie vorher. Noch besser: Niemand wohnt über oder unter uns und von den umliegenden Nachbarn hört man keinen Piep!
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